Geschichte

1248

Erste historische Erwähnung findet die Lage Unterklingensporn bereits im Jahre 1248.
Als Brandenburgisches Lehen wurde der Ort dem Leibarzt Klingensporn am Hof des Preußischen Königs verliehen. Genaue Beschreibungen aus dieser Zeit liegen im Dunklen. Viele der alten Schriften und Chroniken wurden beim großen Brand von Naila im 19. Jahrhundert vernichtet.

 

 
1432

Als früher Besitzer findet sich Heinrich von Weida in den Chroniken, der Klingensporn bereits vor 1432 bewirtschaftet. Das Anwesen Unterklingensporn gehört zu jener Zeit zum Markgrafentum Brandenburg/Kulmbach.

 

 
1507

Das Gut wird als Besitz des Hanns von Reitzenstein zu Schwarzenstein genannt, dessen Nachfahren auch heute noch das nahegelegene Schloß im Ort Reitzenstein bewohnen. In den folgenden Jahren erfolgt ein mehrmaliger Besitzwechsel des Anwesens und der zugehörigen Liegenschaften.

 

 
1637

Erwähnenswert ist der Verkauf des Gutes an den Hofrat und Stadtsyndikus Johann Drechsel am 20. Juni 1637. Drechsel stirbt am 2. Februar 1657. Obwohl der 30-jährige Krieg keine unmittelbaren Spuren der Zerstörung in Unterklingensporn hinterlassen hatte, war der Vorbesitzer Drechsels doch durch die finanziellen Belastungen des Krieges in den Ruin getrieben worden.

 

 Hammerschloss
1686

Unter dem Sohn Johann Drechsels, Johann Georg Drechsel, erlebte Unterklingensporn eine erste Blüte. In einer alten Chronik findet sich folgende Anmerkung: „ ... 1686 bezug er im darauffolgenden Frühling sein anderes Hammergut auf dem Unterklingensporn, um als Edelmann von seinen Gütern zu leben."

 

 
1695

Traurige Berühmtheit erlangt das Hammergut jedoch durch einen spektakulären nächtlichen Überfall auf Johann Georg Drechsel am 15. zum 16. Juli 1695. 20 Mann zu Fuß und zu Pferd umzingelten das Anwesen und die Tore. Eine alte Quelle berichtet: „Die Räuber drangen mit brennenden Fackeln in das Haus, banden, knebelten und misshandelten des Hausherrn und das Gesinde auf schaudererregende Weise und hieben der Hausfrau sogar ein Ohr ab." Drechsel starb nach fünfjährigem schweren Leiden an den Folgen der erlittenen Verletzungen am 26. September 1700.
Erst 2 Jahre später wurden die Räuber durch das Geständnis eines Diebes ermittelt, unter Ihnen auch Adelige aus der Umgebung, darunter auch 2 Frauen.

 

 Hammerschloss
1703

Am 5. Juni 1703 wurden die 4 Anführer des Raubüberfalls in Hof vor dem Rathaus öffentlich hingerichtet.

 

 
1723

Wahrscheinlich erwirbt Christian Heinrich Löwel bereits kurz nach dem Tode Drechsels das Schloß mit Hammerwerk und umliegende Gruben- und Hüttenbetriebe. Unter der Familie Löwel erlebt das Gut Unterklingensporn einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung und wohl auch die Höhe seiner Blüte. 1723 baut Christian Heinrich Löwel nicht nur ein neues Hammerwerk, sondern er wandelt das Herrenhaus zu einem barock ausgestatteten Hammerschloß um.

 

 
1768

Der Umbau ist 1768 abgeschlossen, die Jahreszahl ist auch heute noch in einem Deckenornament im Haus dargestellt. Mehrere Grubenbetriebe, wie die ergiebige Friedensgrube bei Lichtenberg, die Eisenstein und Kupfererz gewinnt, befinden sich zur damaligen Zeit im Besitz der Fam. Löwel, die Ihnen großen Wohlstand beschert.
Alexander von Humboldt, der mit Ch. Löwel befreundet ist, besucht in dieser Zeit mehrmals die Gruben- und Hüttenbetriebe in Naila und Umgebung. Um 1740 umfaßt das Revier Naila bereits 233 Grubenbetriebe, über die Alexander von Humboldt in seinem Werk „Über den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens in den Fürstentümern Bayreuth und Ansbach im Jahre 1792" berichtet.
Zum Andenken an die hohe Ausbeute der Friedensgrube wird auf Grund des Vorschlags des Bergrates Trommler aus Naila in Unterklingensporn eine Gedenkmünze geprägt. Diese ist in den „wöchentlichen brandenburgischen Münzbelustigungen" vom 14. März 1768 abgebildet und beschrieben. Ein Exemplar ist im Heimatmuseum Naila ausgestellt.

 

Hammerschloss 
1848

Der spätere Bergwerksbesitzer und Bankier Johann Christian Löwel war auch ein Freund des Bayerischen Königs Ludwig I. Nach seiner Abdankung 1848, auf Grund seiner Affäre mit der skandalumwitterten Tänzerin Lola Montez, floh diese auf seinen Vorschlag nach Unterklingensporn, wo er sie noch mehrmals besuchte. Von Unterklingensporn, dem letzten bayerischen Zufluchtsort, reiste sie weiter nach London und San Francisco.

 

 
1870

Mit dem Niedergang des mittelalterlichen Bergbaus verschlechtert sich auch die wirtschaftliche Situation der Fam. Löwel zunehmend. Unterklingensporn, nun reußisches Lehen, wechselt nach 1840 erneut mehrmals den Besitzer. Der Eisenhammer arbeitet noch bis 1870.

 

 
1887

Auch in Unterklingensporn beginnt das Industriezeitalter mit der Produktion von Holzgeflecht für Putzträger. Im Jahre 1908 wird die Thümelitwerke GmbH gegründet. Die Firma stellt bis zum Jahr 1917 Kunstschieferschiefer und Schiefertafeln her.

 

 
1919

Dr. Eberhard Schamel, Jurist aus Würzburg, erwirbt das Hammerschloß. Mit seiner Frau, Eigentümerin der Textilwerke Hofmann und Co. in Münchberg, bewirtschaftet er das Gut bis zu seinem Tod 1968. Danach erbt seine Tochter, Herta Hofmann, das Anwesen. 4 Jahre nach ihrem Tod erwirbt der heutige Eigentümer Dipl.-Ing. Volkmar Schneider das Hammerschloß mit Umgriff.

 

Hammerschloss 

 

Die Anlage des Hammerschlosses Unterklingensporn ist ein denkmalgeschütztes Objekt mit hohem Stellenwert und wird in Fachkreisen als Kleinod im nördlichen Bayern angesehen.